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 Reise Review: Tschüss Deutschland. Nur wohin? Tip: Andorra
Backstage:Business
Geschrieben von c auf 17.05.2003 um 13:33:23

Andorra. Ein Reisebericht (nicht für Sozis)

von Lutz Meyer

Vorbemerkung: Dieser Artikel wurde im Mai 2003 angefangen, und jeweils mit den gemachten Erfahrungen aktualisiert. Nein, doch kein Reisebericht, sondern etwas ganz Persönliches: Die Chronologie meiner Auswanderung aus Deutschland. Von einem, der auszog, um den Brechreiz loszuwerden. Trotzdem bekommen Sie auch Informationen, die für eine Reise nützlich sein können - zum Pyrenäen Land Andorra, seiner Bevölkerung und seiner Kultur. Allerdings nicht aus der Sicht des Touristen. Bilder aus dieser anderen Andorra-Perspektive finden Sie ebenfalls, nämlich hier: Pyrenäen Fotos: Andorra.



Ich lebe seit Anfang 2004 in Andorra, einem wirklich existierenden eigenständigen Staat, der partout nicht Mitglied der Europäischen Union werden will. Das Land ist weder Theaterstück noch Fiktion, und muss EU-Bürokraten sehr wehtun. Nunja, etwas skurril gehts hier zu, und das Land ist voller Hinkelsteine. Die ganze Situation hat dann auch durchaus etwas mit Comic a la Asterix zu tun. Die EU als die aktuellen Römer ringsum, und eine listige Andorra Staatsführung, deren Bevölkerung allerdings ganz und gar nicht gewalttätig ist. Selbst Otto Schily würde nicht gleich verprügelt. Den kennt hier ohnehin niemand, und Alemanya reduziert sich auf Mercedes und Haribo. Andorraner und die Gallier haben jedenfalls vieles gemeinsam.

Die Groteske in diesem Spiel ist nicht Andorra. In heutigen Zeiten muss ein Vorbild-Staat wahrscheinlich erstmal einfach nur klein und unabhängig sein. Was hier passiert, ist schlichtweg erschreckend einfach. Meinen Entschluss aus Deutschland auszuwandern habe ich 2003 mit 59 Jahren gefasst, und ich hatte Andorra nur als Miet-Staat begriffen. Und dann das! Ich oute mich also als Spätmerker. Altersbedingte (nein, eher doch gesellschaftsbedingte) Gesundheitsprobleme sind längst wie weggeblasen, und es ist in Andorra richtig langweilig ohne Steuerberater-Termine und streitsüchtige Arschlöcher.

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Tschüss Alptraum. Mai 2003

Abgabenlast, Steuern, Bürokratie, Gängelei, Bespitzelung, Politiker-Lügen - Hassworte der fleissigen Leute, die Deutschland derzeit (noch) lebensfähig halten. Alte Werte und Tugenden sind längst dahin, die Vollkasko-Mentalität hat zu deutliche Spuren hinterlassen, und das Recht wird stetig biegsamer - von "Gerechtigkeit" reden ohnehin nur noch unverbesserliche Naivlinge, zu denen ich mich allerdings bekenne. In einer besonders perfiden Form ist Sozialismus längst Realität in Deutschland. Die Worte "Recht und Freiheit" in der Nationalhymne - pffft. "Einigkeit" - im Land der 1000 Interessengruppen? Eine grandiose Ansammlung von Dummheit und Anmassung. "Bloss weg hier" heisst die Devise, nicht nur von Unternehmern. Nur wohin? ...

Eine Alternative liegt recht nahe: Andorra - 1000 km von der Deutschland-Grenze bei Basel entfernt Richtung Spanien. Beim näheren Hinschauen könnte Andorra und sein eigener Weg sogar wertvolles Erbgut sein für an die Wand gefahrene Staatssysteme. Denn hier ist so ziemlich alles anders, und alles irgendwie unverquast einfach. Andorra gehört zwar zu Europa - ist aber nicht EU-Mitglied. Der Unterschied ist enorm. Nach zwei Jahren intensiver Beschnupperung staune ich eigentlich immer noch. Auch über die Ignoranz von deutschen Politik-"Fachleuten", die zwar mittlerweile zugeben, dass ihr angerichteter Misthaufen stinkt, ihn aber partout nicht umschichten mögen. Aber sie sind ja allesamt in Staatsdiensten, oder in seinem lukrativen Dunstkreis mit den abenteuerlichsten Berufsbezeichnungen. Allesamt werden sich hüten, ihre wirtschaftliche Existenz zu gefährden. Das Grundgesetz der integeren Leute von damals wäre seinerzeit wahrscheinlich anders ausgefallen, hätten sie nur die 68er und ihre Nachgeburten auf der Rechnung gehabt, und geahnt, wie man es mit der richtigen Pöstchen- und Lobbypolitik zum persönlichen Vorteil verwursten kann. Den Muff der 1000 Jahre wollten sie aus den Talaren vertreiben - um sich diese sofort selbst anzuziehen. Es hat sich seither nichts verändert, ausser dass man den Betrug an seinen Klienten, und in minderschweren Fällen die eigene Lebenslüge heute in Perfektion an einer Uni studieren kann, nachwievor ohne jemals den Lebens-Führerschein gemacht zu haben. Das idealistische Demokratie-Pflänzchen der Anfangsjahre war leider nicht ideal zum Befüllen des eigenen Bankkontos.

Andorra ist ganz sicher nicht das gelobte Land für Jedermann. Aber der Staat Andorra ist ein schlüssiges, logisches System - ein Dorf in Europa, das sich nicht mit Brüssel auseinandersetzen muss. Andorra hat nur die Grösse von Bremen, das sich unverdrossen immer noch "Freie Hansestadt" nennt. Mein Tip an die Bremer, wieder frei sein, und aus EU sowie Bundesrepublik austreten! Mit der See-Anbindung bestünden reichlich Chancen, Andorra wirtschaftlich ernsthafte Konkurrenz zu machen. Doch Andorra ist weitaus mehr als nur ein wirtschaftlich blühender Staat. Es dauert lange, dieses kleine Land einigermassen zu begreifen, wenn man als deutscher Staatsbürger jahrzehntelang Unlogik getankt, und sich irgendwie damit abgefunden hat, dass immer exakt das Gegenteil von dem herauskommt, was der verantwortungsbewusste Normalbürger erwartet. Eine freiheitliche Grundeinstellung vorausgesetzt, erlebt man nämlich eine positive Überraschung nach der anderen. Ja, selbst aus der Sicht eines deutschen Sozis wäre an Andorra´s Staatsleistungen nicht viel auszusetzen, würde er hier ansatzweise überhaupt etwas begreifen. Und wenn er es denn täte, müsste er anständigerweise Selbstmord begehen. Genug gelästert, hier der Bericht.

Andorra - Inferno oder Paradies ?

Das Fürstentum Andorra, der Ministaat in den Pyrenäen, ist mehr oder weniger bekannt unter den Stichworten "Wintersport", "Einkaufsparadies" und "Steueroase" bzw "Steuerparadies". Sport interessiert mich nicht besonders, ein gemässigt raffgieriger und bevormundender Staat schon. Die allerbeste Nachricht zuerst: Es gibt in Andorra kein Finanzamt. Tusch! Und die damit zusammenhängenden Kosten wie für Steuerberater also auch nicht. Man muss daher auch keine Energie in steuerliche Überlegungen stecken, die Deutsche ständig umtreibt. Andorra hat keinerlei Steuerauskunftsvereinbarungen, und es gehört auch nicht zur EU, der nächsten Zündstufe bürokratischen Unfugs. Das Bankgeheimnis ist in Andorra gut aufgehoben, so dass es eigentlich keiner Nummernkonten bedarf. Banken gibt´s also in Andorra reichlich.

Aber wie lebt sich´s in Andorra, und zu welchem Preis? Geld ist schliesslich nicht alles. Auf verschiedenen Reportagereisen nach Frankreich und Spanien habe ich daher stets einen Umweg in die Berge gemacht, um etwas hinter die Kulissen dieses geheimnisvollen Landes zu schauen. Kurzum: Ich habe mir zunehmend die Augen gerieben, dass es so etwas an Freiheit aus dem System heraus, und eine völlige Aggressionslosigkeit in der Gesellschaft überhaupt noch gibt. Nun, dieser Reisebericht hat noch eine logische Fortsetzung (siehe unten).

Die Anreise via Narbonne-Carcasonne-Foix ist etwas leichter zu fahren, die Route Perpignan-Andorra bietet jedoch wesentlich mehr Pyrenäen. Andorra begrüsst Sie auf beiden Routen nicht nur mit einem ersten Eindruck seiner Geschäftstüchtigkeit in Pas de la Casa, auch mit beindruckender Natur jenseits der Baumgrenze und meist nagelneuen Strassenbelägen. Über vereinzelte beschauliche Städtchen (Soldeu, Canillo, Encamp) mit Schwerpunkt Gastronomie und Hotellerie geht´s von knapp 2500m Höhe 1500m hinab in das Kommerz-Zentrum Andorras, das nicht selten für abschreckende Reiseberichte sorgt (Dauerstau und eine sehr vitale Bautätigkeit). Es liegt in einem engen Tal, ab Escaldes über Andorra la Vella bis Sant Juliá de Lória nahe der Spanien-Grenze fast durchgängig bebaut, laut und busy. Auch in den Zwischensaisons mit wenig Fremdenverkehr schaffen Andorras Autofahrer es spielend, den permanenten Dauerstau aufrecht zu erhalten, der souverän von Pfeife trillernden Polizist(inn)en gemanagt wird.

Hier befinden sich fast alle grossen Einkaufszentren und Spezialgeschäfte, die das Ziel der meisten Wochenendtouristen aus Spanien und Frankreich sind. Das Angebot, überwiegend Luxusgüter, ist einfach erschlagend. Nicht alles, aber Vieles ist deutlich billiger als in Deutschland und offensichtlich auch den Nachbarländern. Irgendwie skurril, dass die Massen an Gütern erst LKW-weise in die Berge gestemmt, um PKW-weise in dieselben Länder zurückgebracht zu werden. Für den Weg nach Deutschland die offiziellen Mengen auszunutzen -volltanken und 1 1/2 Stangen Zigaretten pro Nase- kann das Reise-Budget etwas verbessern. Wenn Sie allerdings akkurat schmuggeln möchten, sollten Sie die französischen Zollfallen im Hinterland nicht vergessen. Richtung Süden, also Spanien, wird immer gefilzt. Hier ist es ratsam, mit den ausreisenden Hobbyschmugglern aus Spanien ab Sonntag-Nachmittag mitzuschwimmen.

Andorra - Staat & Staatsleistungen

Eine wichtige Geldquelle Andorras sind Importzölle, die so bemessen sind, dass Frankreich und Spanien gerne zum Einkaufen kommt. Der Spritpreis z.B. beträgt etwa 2/3 der Preise in Deutschland und Frankreich, der Tabakpreis etwa die Hälfte (9 bis 19 EUR pro 200er Stange Zigaretten). Bei Schmuck oder Parfüm fehlen mir die Masstäbe, aber es gibt wie auch bei Sportbekleidung und Elektronik ein riesiges Angebot. Meine Digicam habe ich hier für 650 EUR erstanden incl. kostenloser Tasche, die zum Kaufzeitpunkt in Deutschland knapp 1000 EUR kostete. Wobei Beratung und Service wirklich erstklassig sein kann, wenn man die Quellen kennt. Diese Perlen herauszufinden, braucht Zeit im Heer der Glücksritter.

So fragt man sich irgendwann, warum andere Länder mit ihrer Abgabenbelastung trotzdem Probleme mit ihrem Staatshaushalt haben. Denn Andorras Infrastruktur ist geradezu vorbildlich, manchmal auch etwas spinnert, und wegen der klimatischen und geologischen Gegebenheiten oft aufwendig und damit teuer. Auffällig sind modernste Schulgebäude und Sport/Kultureinrichtungen in beeindruckender Stückzahl, die auch intensiv genutzt werden. Zu olympischen Ehren hat es Andorra mW noch nicht gebracht, aber den Kids wird hier grosse Aufmerksamkeit gewidmet, allerdings ohne die Familie zu entmündigen. Kinder gibt es hier jedenfalls viele, und aus deutscher Sicht sind die merkwürdig fröhlich und arglos.

Die Sache mit dem fehlenden Finanzamt: Es gibt Unternehmenssteuern, diese werden jedoch pauschal erhoben, und sind extrem niedrig. Der Nebeneffekt ist eine sehr geringe Bürokratie und Regelungswut. Es gibt auch keine staatliche Schnüffelei in der Privatsphäre. Keine Anschaffung müssen Sie hier irgendjemandem steuermindernd begründen, und Steuerberater sind natürlich überflüssig. Und als Arbeitnehmer gibt es überhaupt keine Steuern.

Die Staatsleistungen von Andorra können sich andererseits sehen lassen. Das Gesundheitswesen ist hochmodern und effektiv, Krankenkasse einschliesslich Rentenversicherung mit pauschal etwa 170 EUR ein Schnäppchen, lediglich der Rentenbeitrag kann variabel gestaltet werden. Die Krankenkassenleistungen mit 25% Selbstbeteiligung (10% bei Krankenhausaufenthalten) verhindern Missbrauch. Die Kosten müssen zunächst privat ausgelegt werden. So bekommt man jedenfalls das ungewöhnliche Preis/Leistungsverhältnis der Sozialkasse mit. Bei den überall im Land flächendeckend vorhandenen kommunalen "Centres de Salut" habe ich bisher nichts bezahlen müssen, und der Rundum-Check für einen Andorra-Führerschein kostete knappe und schlappe 20 Euro. Für Spezialbehandlungen existieren Verträge mit den benachbarten Ländern, abgerechnet wird jedoch stets nach den billigen Andorra-Tarifen. Kriminalität und Arbeitslosigkeit spielen offensichtlich keine Rolle, denn die Spielregeln scheinen klar. Doch hier will jeder arbeiten, und tut es auch. Es gibt hier keine Stellengesuche, nur seitenweise Stellenangebote.

Es besteht insgesamt der Eindruck, dass das System auf Eigenverantwortung und Wettbewerb ausgelegt ist, ohne verquaste Regularien zur angeblich sozialen Gerechtigkeit. Das ist auch gar nicht nötig. Jeder kennt jeden, und wenn´s klemmt, gehen Probleme einen kurzen Weg. Und mit Lappalien hochherrschaftlicher Zuständigkeiten geht man pragmatisch um. Einige deutsche Reizworte: "GEZ" - Der staatliche Rundfunk ist in Andorra gebührenfrei. "Kammern-Pflicht" - eine IHK- oder Handwerkskammern-ähnliche Institution gibt es zwar, allerdings kostenfrei. "Berufsgenossenschaft" - unbekannt, es gibt lediglich die CASS als Sozialversicherungsträger. Also gibt es auch keinen "Kontroll-Besuch" von all diesen Herren in Staatsdiensten - wenn man sich an die Regeln hält. Schmarotzer sind hier ganz sicher sehr ungern gesehen, und staatliche Schmuddelecken wie Subventionen abgreifen gibt es nicht - weil es keine Subventionen gibt. Wohl aber andorranischen Familien- und Beziehungsklüngel. Nie persönlich kennengelernt, wird aber von allen Andorra-Insidern sofort abgenickt. Die CASS treffen Sie mitunter in freier Natur in Form von mächtigen Künstlerskulpuren an, die sie sponsort. Die Sozialversicherung als Sponsor aus deutscher Sicht reichlich seltsam, hier gehört es zu dem Topf "Wohlbefinden" für die Bevölkerung. Und das geht so weiter mit den Wohltaten. Selbst die Post wirft man hier unfrankiert in den Briefkasten, weil zumindest für das Inland kostenlos.

"Was für ein Staat" mag man ausrufen, besonders wenn man sich die Dumpingpreise der Sozialversicherung und das nicht vorhandene Finanzamt verinnerlicht. Als gestandener Sozi-Hasser fragt man sich natürlich, wer denn nun das alles letztlich bezahlt. Es ist der Staat Andorra, der mit seinen geringen Zöllen eine vielfache Zahl an Menschen im Verhältnis zu seiner Bevölkerung mit billigen Gütern versorgt - und dabei sichtlich nicht schlecht verdient. Diese Grosszügigkeit gegenüber der eigenen Bevölkerung mag etwas an Ölscheich-Mentalität erinnern, aber möglicherweise basiert eine solche Einstellung schlicht auf Werten wie Ethik. Nur auf solche hehren Begriffe wie auch Moral haben natürlich Sozis längst das Copyright, pardon. Thema Scheinheiligkeit: In Andorra gibt es keine Interessenverbände, die den Staatshaushalt plündern. Staatsschulden hat das kleine Land also kaum. Andorra und die EU passen schon deshalb nicht zusammen.

Der Parallelvergleich zum Internet-Business ist schon verlockend: Klein und beweglich gegen gross, bürokratisch und zunehmend hilflos in den selbst gelegten Fussangeln. Andorra sozusagen das Gegenmodell in der Real-World. Nicht auszudenken, wenn Andorra einen Flughafen, mehrspurige Einfallschneisen und die entsprechende Parkplatzkapazität hätte. Die internationalen Transaktionen von Geld und zunehmend von virtuellen Gütern erhöhen aber zunehmend den Druck durch den EU-Popanz, der die Cleverness der Andorra-Führung in Bezug auf Eigenständigkeit irgendwann überfordern könnte. Doch als ein sehr altes Land ist Andorra wiederum stark verwurzelt in Traditionen. Eine gewisse "Sperrigkeit" liegt zudem, so sagt man, an der jahrhundertelangen Abgeschlossenheit der Täler von Andorra, nur unter Schwierigkeiten zu erreichen, und ein Dorado für Schmuggler. Letztes gilt ja auch heute noch. Vorletztes auch - Flugplatz und Bahnstation gibt es wie gesagt nicht, und schnurgerade Strassen lassen sich nicht aus jedem Fels herausfräsen, obwohl sich die Bauwirtschaft sichtbar grösste Mühe gibt.

Andorra Leben & Kultur

Und ansonsten? Klimatisch gilt Andorra als gemässigt. Viel Sonne im Sommer, viel Schnee im Winter in den höheren Lagen. Barcelona bzw. die Costa Brava liegen 3 Autostunden entfernt, so dass spontanes "Klima-Hopping" je nach Gemütslage kein Problem ist. Sogar innerhalb von Andorra mit einer halben Stunde Serpentinenfahrt, denn das Land ist immerhin 2 Kilometer hoch (ungefähr 1000 bis 3000m). Und es ist flächenmässig etwa 200 mal grösser, als das Einkaufszentrum in "Andorra-City". Mehr macht die Kommerz-Meile eben nicht aus, auch wenn es immer wieder in der Berichterstattung auf diese 1-2 Quadratkilometer reduziert wird. Andorra ist schliesslich ein 3D-Land, und da sieht die Rechnung nochmals anders aus. Es ist bis in den letzten Winkel erschlossen, aber das bemerkt man auf den ersten Blick nicht.

Die Sprache ist Katalanisch (catalá), das sich von Spanisch oft deutlich unterscheidet. Mit Spanisch und Französisch kommt man jedoch im Alltag zurecht, mit Englisch nur teilweise. Aber sich an catala zu versuchen, öffnet natürlich die Herzen, und ausserdem ist der katalanische Sprachbereich im Nordosten von Iberia der wirtschaftliche Motor des Teils links unten auf der Landkarte von Europa, und auf EU-Stütze irgendwie gar nicht angewiesen. Auch die Landstrassen letzter Ordnung in Catalunya sind zwar mitunter unglaublich kurvig, aber in perfektem Zustand - oft weit weg von deutscher Realität. Denn "Katalonien ist nicht Spanien". Ich bin nicht fit in Geschichte, das Angelesene gibt aber zu denken. Jedenfalls ist es erfreulich, dass Katalanen ihren Stinkefinger gegenüber Madrid ziemlich locker handhaben. Weil die inländischen Entfernungen aus deutscher Sicht oft unterschätzt werden: Mit der ETA hat diese Region nichts zu tun, ausser der Bockigkeit wie in den anderen Nord-Communidads auch (Baskenland/Euskadi und Galicia). Für Katalanen ist Autonomie ebenso wichtig, aber mit anderer Strategie. Die spanischen Ortbezeichnungen z.B. werden einfach aus dem Strassenbild entfernt. Lleida ist eben nicht Lerida, fertig. Von der Catalunya Regierung laufen grossanlegte Programme zur Förderung von catalá. Aber daraus zu folgern, Katalanen wären militant - Fehlanzeige. Wenn Sie die Gelegenheit haben, schauen Sie im Sat-TV TV3 bzw TVCi (TV Catalunya). Dazu müssen Sie kein Wort catala verstehen. Sie bekommen jedoch einen Eindruck, wie dieser Kulturbereich vor fröhlichem Selbstbewusstsein strotzt. "en directe" ab 19:20 Uhr ist einfach ein Meilenstein in der TV-Berichterstattung, und die Moderatorin Mari Pau muss man als Mann sofort heiraten wollen. Übrigens werden Sie typische Deutsch-TV Nachmittagssendungen, in denen sich arme Teufel öffentlich zum Hanswurst machen, im Süden vergeblich suchen. Zumindest Andorranern ist Menschenverachtung völlig wesensfremd.

Andorra ist vielleicht ein Anker für manchen Spanien-Katalanen, der das durch ein CAT (anstelle E) auf seinem Auto-Nummernschild dokumentieren darf. In Andorra selber finden Sie nur vereinzelt den kleinen Aufkleber "100% catala", sie sind es ohnehin. Andorra's Kultur ist eher traditionell ausgerichtet, äusserst lebendig, und hat mit Touristen-Folklore absolut nichts zu tun. Der katalanische Reigentanz Sardana ist etwas gewöhnungsbedürftig. Südländisches Temperament hatte ich mir anders vorgestellt. Doch dieser sehr schwierige Volkstanz ist ein Symbol für katalanische Liberalität - jeder darf mitmachen, unabhängig von Stand und Hautfarbe. Die Sommer-Fiestas, die hier katalanisch Festa heissen, haben bei Qualität von Showtechnik und der Bands ein sehr hohes Niveau. Internationalen Standard bietet das Jazzfestival in Escaldes, und insgesamt der Standard bei PR jeglicher Art. Man mag es angesichts dieses Aufwandes nicht glauben, dass hier nur etwa 75000 Leute leben. Selbst für die Formel 1 hat sich Andorra einmal beworben, und ich bin fast sicher, dass sie dafür einen Berg planiert hätten. Jedenfalls jene über 2000 Meter, wo ohnehin niemand wohnen mag. Bezüglich Ökologie braucht Andorra keinerlei Nachhilfe. Bei der Reststoff-Verwertung wird nicht sortenrein gesammelt, aber dafür wird der Hausfrau ein Chemiestudium erspart, und das recycelde Zeugs eben wahrscheinlich entsprechend eingefärbt.

Prominentester Einwohner aus dem Showbusiness ist die Opernsängerin Montserrat Caballe. Ansonsten, nach einer gewissen Anlaufphase, im wörtlichen Sinn liebens-werte Menschen, die ihre Häuser mit Hingabe und vielen Blumen schmücken. Apropos Häuser: Der rechte Winkel scheint in der Architektur dieses Landes verpönt, Kurven und Serpentinen bestimmen den Grundriss und das Geländegefälle findet sich teilweise im Inneren grösserer Gebäude wieder. Alle diese neuen Kommerztempel sind wirklich todschick, aber man muss aufpassen, wo man hintritt, und dass man nicht in blitzblank geputzte Glastüren läuft.

Richtigen Andorra Kiez mit Kleinstgewerbe ohne Prunk und Protz finden Sie überall abseits der 2-3 Touristenmeilen, dazu viele liebevoll gepflegte Kulturzeugnisse - und erstaunlich viel Landwirtschaft! Der "störrische Bergbauer" ist noch nicht ausgestorben. Er fährt heute aber mit einem schicken Offroader auf seine restlichen Tabak-Äcker auf sündhaft teures Bauerwartungsland. Dieses Kontrastprogramm gibt aber vielleicht einen Hinweis, warum das "Andorra-Modell" funktioniert. Niemand scheint hier den Boden unter den Füssen zu verlieren. Stinkreich und stinknormal zu sein lässt sich hier irgendwie vereinbaren. Und wer nicht reich ist, scheint auch zurecht zu kommen. Der vorgeschriebene Mindestlohn liegt derzeit bei etwa 900 EUR, und der bleibt nach Abzug der Miete und dem Versicherung CASS-Anteil dann auch übrig. Zeit bleibt ebenfalls übrig, denn auch der Lohnabhängige lebt ohne Behörden-Drangsalierung. Arbeiten wollen sollte er allerdings tunlichst.

Natur pur gibt es reichlich gleich neben der Hauptroute Frankreich-Spanien. Mein persönlicher Tip ist das weiträumige Nordtal von Ordino über El Serrat bis Arcalis (von Escaldes Richtung La Massana bzw. Ordino abbiegen). Ein Kontrastprogramm ländlichen Lebens in Andorra bekommen Sie gleich geboten. Nach wenigen km ab Escaldes nach links (Sispony) und anschliessend gegenüber nach Anyos. Oder die Fahrt nach La Rabassa ab Sant Julia im Süden, die Tour um den Rocafort-Berg Richtung Fontaneda, oder zur Einsiedelei Canolich, neben Meritxell eines der Heiligtümer. Fast jeder Abstecher in die kleineren Seitentäler birgt Überraschungen. Das märchenhafte Vall d´Incles in der Nähe des Frankreich-Passes wird vermutlich selbst Naturmuffel nicht unberührt lassen.

Aber auch im Kommerzgewusel Escaldes / Andorra la Vella finden Sie meist nach wenigen hundert Metern pure Natur an den Berghängen. Wenn Sie sie finden in dem Durcheinander - reine Nervensache. Alles picobello erschlossen, nur fehlt manchmal ein Stück Leitplanke oder Geländer am Abgrund. Tip 2: Für einen Erstbesuch vermeiden Sie einfach die Saisons. Nehmen Sie September oder Mai, dann erreichen Sie wesentlich mehr Ansprechpartner und Entscheider in Andorra. Allerdings verpassen Sie dann die Festas Major im Juli/August. Die hiesige Kultur, und die Art, wie Andorra abseits vom Business tickt, bekommen Sie komprimiert nur hier mit. Die An- und Abreisetage der Einkaufstouristen am Wochenende sollten Sie immer meiden. Tip 3: Nehmen Sie sich Zeit für Andorra! Fast nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Andorra wimmelt bei zweiter, dritter, vierter Sicht vor Vielfalt.

Andorra ist auf dem Papier, besonders sichtbar am stolzen Autoschild "Principat d`Andorra", ein Fürstentum wie Monaco, sichtbar reich - allerdings keine Spur mondän, und erst recht kein Sündenpfuhl, weil einer der zwei "Co-Fürsten" der Bischof aus dem benachbarten spanischen La Seu d´Urgell ist. Nicht ungeschickt und recht trickreich widersteht es bis jetzt "wohlmeinenden" Umarmungsversuchen der EU.

Also auf nach Andorra für eine neue Existenz? Die Hürden sind hoch, ansonsten wäre dieses kleine Land längst überflutet von fleissigen Leuten aus ihren Abzockerstaaten. Reine Andorraner stellen nur etwa 10% der Bevölkerung dar, und sie halten die Zügel in der Hand. Aber alles eine Frage der Schmerzgrenze. Andorra ist z.B. ein idealer Standort für international arbeitende Eventagenturen, Werbeagenturen (auch durch die passende Top Level Domain .ad), oder für Internet-Firmen und liegt sprichwörtlich "Top of Europe". Sind Sie aus einer dieser Branchen, nehmen Sie bei Interesse Kontakt mit mir auf (siehe unten).

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Weitere Andorra Informationen von mir:

Bilder von Andorra - Fotos mit Anmerkungen aus dem Paradies © Lutz Meyer

Andorra-Links extern (meist in deutsch):

Allgemeine Informationen
Andorra-Intern.com - Allgemeine Informationen und zum Wirtschafts-Standort Andorra | Kurzeinführung |
Andorra Botschaft in Belgien - Allgemeine Informationen zu Andorra
Wikipedia Infos zu Andorra - Information zu Geografie, Geschichte, Bevölkerung, Politik, Wirtschaft
Andorramania - Branchenverzeichnis & Infos zu Andorra
Andorra-Site - Allgemeine Informationen zu Andorra, mit Insider- und Immobilien-Infos

Offizielle Informationen in Landessprache catalá
Andorra Zahlen - Cambra de Comerç, Indústria i Serveis d’Andorra (vergl. Industrie & Handelskammer)
Andorra Statistiken (Navigation: Estadístiques) - Ministeri de Finances Andorra
Andorra Radio & TV - RTVA, Ràdio i Televisió d'Andorra, mit Live-Stream

Geschichte
Andorra Geschichte und Sprache - Carsten Sinner
Andorra: Kuriose Episoden, zeitgeschichtliche Dokumente und Fotos - Albert Daina Marsenyach (in catala)

Touristik Informationen
Andorra-Tourismus
- Tourismus & Fremdenverkehrsamt von Andorra
Wellness Informationen - insauna.com

Anreise und Orientierung
Anreise Informationen - Andorra-Intern.com
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- mobilitat.ad. Bei Anreise aus Frankreich stets die Schneeverhältnisse am Pass überprüfen.
Webcams Nordspanien/Katalonien - TVC Online
Busverbindungen nach Andorra - von Barcelona Flughafen 3 Stunden durch eine fazinierende Landschaft
Andorra Karten und Satellitenbilder - mit Übersicht der Orte, politischer Gliederung und Informationen

Aktuelles
Andorra Veranstaltungen - Veranstaltungskalender, Kultur- und Musikveranstaltungen (derzeit nicht erreichbar)
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Berichte und Fotos
Fototouren durch Andorra - mit über 1000 Fotos (c) Lutz Meyer
Quer durch Andorra
- andorraweb.de. Fotos und viele Hintergrundinfos zu Andorra von Jörg Meinel.
Andorra Bergseen - el-viking.com. Naturfotos aus den höheren Lagen von Andorra
Andorra Reisebericht - Peter Held Mai 2006
Andorra kritisch betrachtet - Insider-Berichte in auswandern-heute.de
Andorra - sehr alt, sehr konservativ - TAZ Story von Heike Haarhoff aus 2002

Weitere nützliche Info-Links extern:

Auswandern in den Süden? - deutsche-in-spanien.de, Info-Website mit Forum. Süd-Träume realistisch
Leben in Spanien - Beitrag im Forum von geo.de
Immobilien und Miet-Wohnungen - immo-maier.com. Häuser und Apartments in Andorra und Katalonien
Andorra-Forum - XING Business-Plattform

Politik-Links:

Postdemokratie - wie Grundrechte vor die Hunde gehen
mehr-freiheit.de
- Blitzsaubere Argumente für eine liberale Gesellschaft.
Die Unabhängigkeit des Cyberspace - von John Perry Barlow USA aus 1996.
Die demokratische Verfassung Andorra´s von 1993
Katalonien`s Weg in die eigene Nation - Deutschlandfunk 2006.
Das Gesundheitswesen in den Zwergenstaaten - Ärztezeitung: Kostensparendes Gesundheitsnetz in Kleinstaaten
popanz-staat.de - Strike-Back Domain von mir gegen staatliche Anmassung, noch ohne Inhalt. In gute Hände zu vergeben!

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Zitate aus Andorra:

Es ist ziemlich wesensfremd für einen Andorraner über andere zu urteilen, daher leider nur wenige kleine aber köstliche Seitenhiebe zur EU aus offiziellem Mund. Ob sie exakt so stimmen weiss ich allerdings nicht.

"Wir Andorraner", sagt Regierungschef Marc Forné Molné drinnen in seinem Amtszimmer mit brauner Ledercouch und ausladendem Palmengewächs, "existieren als eigenständige Gesellschaft seit mehr als sieben Jahrhunderten in Europa. Das ist ein bisschen länger als die Europäische Union." Der Vorsitzende der regierenden "Partit Liberal d'Andorra" weiß, dass seine ironische Aussage als Arroganz missverstanden werden kann. Schnell schiebt er hinterher, dass die EU-Strukturen Andorra, wie übrigens allen anderen europäischen Mikrostaaten auch, gar keine andere Wahl ließen, als Nichtmitglieder zu bleiben. "Oder können Sie sich vorstellen, dass wir hier mal eben turnusmäßig die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen und einen EU-Gipfel ausrichten?" Forné Molné, 47 Jahre, grauer Anzug, Brille, Bart, lacht laut auf bei dieser Vorstellung. Andorras "Streitkräfte", die die Sicherheit eines internationalen Treffens garantieren müssten, belaufen sich auf 250 Polizisten. Fünfzehn Minister zählt das andorranische Kabinett, das Parlament besteht aus 28 Abgeordneten. "Na, die hätten aber ihren Spaß mit Brüsseler Papiervorlagen!" Er sieht jetzt aus, als müsse er sich beherrschen, sich nicht auf die Schenkel zu klopfen.
(Auszug aus TAZ-Interview mit Andorra´s Chef Marc Forné vom Dezember 2002)

Bei einem Interview eines Parlament-Abgeordneten von Andorra in der Sendung "Babylon spricht viele Sprachen", wurde dieser von dem Journalisten befragt: Vielfach wäre von Politikern der Europäischen Union häufig zu hören, das Andorra ein "Steuerparadies" wäre. Wie würde er zu dieser Aussage stehen! Dabei musste er diese Frage belächeln, und meinte nur noch dazu, dass diese Behauptung sehr gerne von Politikern der Europäischen Union ausgesagt würde, da sie in ihrem eigenen Land eine regelrechte "Steuerhölle" hätten!
Christoph Mergler

17. 5. 2003
Lutz Meyer
eMail: lutz(ätt)lutz-meyer.com

Und wieder einer weniger. Update September 2004:

Es wird Sie vielleicht nicht wundern, dass ich seit Frühjahr 2004 Einwohner von Andorra bin - nach zwei Jahren Recherche und regelmässigen Besuchen. Einige obige Textpassagen wurden ergänzt, am positiven Grundtenor hat sich jedoch nichts verändert, das Gegenteil ist der Fall. So habe ich zur Einbürgerung die Administration und das Gesundheitswesen von Andorra kennengelernt, und abgesehen von einer gewissen Abwimmelungstaktik ist doch letztlich alles gutgegangen. Ohne professionelle Hilfe sollten Sie dennoch keine Verlagerung Ihrer Aktivitäten nach Andorra angehen.

Ich bin immer noch kein Wintersportler, Rafting-Fan oder Bergkraxler und kann bisher nur gebrochen catalan, habe aber eine schöne Wohnung für 370 EUR/Monat mit wenig Nebenkosten, und dem o.a. erwähnten niedrigen Sozi-Beitrag. Den Mietpreis sollten Sie nicht als Masstab nehmen, Wohnen IST der teuerste Zustand in diesem Land. (Nachtrag: Nach fast über einem Jahr Wartezeit habe ich endlich meinen PKW-Stellplatz in der hauseigenen Tiefgarage bekommen für läppische 65 EUR/Monat - uff). Am meisten genisse ich aber die auch hier vorhandene südländische Gelassenheit und Fröhlichkeit, den rücksichtsvollen und respektvollen Umgang im Alltag, und ganz besonders das Nichtvorhandensein des Menschentyps Blockwart. Dass es hier im Sommer nicht so drückend heiss ist wie in Spanien, ist auch ganz sicher ein Aspekt des Erfolges von Andorra und seiner Wirtschaft. Den typischen Highlife Aussteiger werden Sie jedenfalls hier nicht finden.

Das Leben ohne Finanzamt kann ich gar nicht hoch genug einschätzen. Hatte ich anfangs fast nur das gesparte Geld im Kopf, so ist die Befreiung von all diesen kranken Überlegungen für jede Anschaffung vielleicht sogar noch mehr wert. Nie wieder etwas rechtfertigen müssen, wovon Beamte ohnehin keine Ahnung haben, und was sie einen Sch... angeht.Welcher Gewinn an Lebenszeit und -Qualität!

Man beschäftigt sich hier auch nicht mit Systemnörgelei (soweit ich das mitbekomme). Es gibt schliesslich kaum Anlass (soweit ich bereits Einblick habe). Andorra´s Rechtsanwälte dürften allenfalls mit Vertragsrecht zu tun haben - dass Andorraner sich gerne gegenseitig mit läppischen Klagen überziehen, ist für mich völlig unvorstellbar! Pfiffige deutsche juristische Geschäftsmodelle für selbsternannte Pfleger der Gerechtigkeit über einen gemeinnützigen e.V. für eigensüchtige Frustbolzen, oder schlicht für die eigene Kasse als Serien-Abmahner? Ein Andorraner würde wahrscheinlich nach Luft schnappen, Geschäftstüchtigkeit hin oder her. Und da es kaum Kriminalität gibt, ist Strafverteidiger sicher auch kein lohnenswerter Job.

Vieles wurzelt in der anderen Mentalität und in Tradition. Doch da ist noch mehr. Etwas, was ich versuche zu verstehen, aber nicht kann mit meinem D-Hintergrund. Auch wenn sich Andorra auf den ersten Blick anders gibt - alte Werte scheinen ungebrochen. Ob Andorra´s Staatsführung besonders weise ist? Sie braucht halt nur aus dem Fenster zu schauen. Die Schnelligkeit, mit der etwa Infrastrukturprobleme gelöst werden, ist atemberaubend. Besonders auffallend in meiner 2-jährigen Entdeckerzeit, in der ich in diesem Punkt den direkten Vergleich Deutschland-Andorra hatte. Jahrealte Baustellen mit Patina auf den Bauschildern einerseits, nagelneue Strassenbeläge, quasi über Nacht hingezaubert andererseits. Von vielen Einrichtungen und Gepflogenheiten in Andorra könnte sich der deutsche Staat eine dicke Scheibe abschneiden, müsste sich dazu jedoch selbst sehr in Frage stellen.

Keine Chance bei einer Bevölkerung, die direkt oder indirekt von Staatsknete lebt, Institutionen, die sich ungefragt als "Interessenvertreter" mit Zwangsmitgliedschaft aufspielen, eine Erziehungs-, Umwelt- und Sozialindustrie, deren Menschen nie gelernt haben sich aus eigener Kraft zu ernähren, aber produktiven Menschen ihre kranken Masstäbe (mmh Rechtschreibreform) überstülpen. Maulwurfbeauftragte, Mülltrennung-Sheriffs und Sendungen im TV wie "Die Aufpasser", die vielleicht gar nicht als Satire gemeint sind. Was soll man sagen? Eine Gesellschaft, die diese Ungeheuerlichkeiten mit sich machen lässt, ist selber schuld. Die täglichen Horrorstories und essenzfreien politischen Diskussionen im Deutsch-TV verursachen bei mir nur noch zeitweise hämisches Schenkelklopfen. Die Wettervorhersage zum Schluss der Deutsch-Nachrichten beseitigt letzlich alle Zweifel. Die höhere Macht existiert!

Zwischenfrage: Wie hoch ist eigentlich in Ihrem Verwandtschafts-, Freundes-, Bekanntenkreis der "Berufsbild-Produktivitätsfaktor"? Ich habe im meinem D-Kreis 75% Beamte, öffentliche Hand, und reichhaltiges staatliches Kielwasser: Rechtsanwälte, Steuerberater, Gutachter, Sozialdienst, logisch auch etliche Hartz4 Kunden usw.. Vielleicht hat es mich besonders hart getroffen, aber 25% produktive Menschen -also die noch etwas in den Topf einzahlen- sind dann doch etwas wenig. Die anderen 75% sind darüber hinaus noch überwiegend mit ihrer Sinnkrise beschäftigt. Die härtesten Kritiker ihres Geld- und Jobgebers, und können doch nicht von ihm lassen.

Kontrast Andorra - scheinbar widersprüchlich. Der Ersteindruck von Andorra als "Polizeistaat", den auch ich hatte, entpuppt sich schnell als ernstgemeinter, wenn auch mmn etwas übertriebener Service am Bürger. Überall im Land ist der "Servei de Circulació" präsent, und nicht nur zu Schulwegzeiten ist fast jeder Zebrastreifen besetzt. Tagsüber werden die Ampeln ab- und auf "Handbetrieb" umgeschaltet. Die Effizienz ist bemerkenswert, würde aber in Deutschland nie funktionieren, und selbst die typverwandten Spanier verstehen das System der kleinen Fingerzeige nicht so recht. Unter der Woche brauchen Andorra´s Autofahrer das auch gar nicht, Verzicht auf Vorfahrt gehört hier zu den Grundregeln, was allerdings mitunter den Laden unnötig aufhält - aber Einblicke in diese herrliche Mentalität gibt.

Meine Bewunderung für diese stressresistenten Dompteure wächst täglich - sozusagen moderne Stierkämpfer, die tänzerisch den Fusspitzen-Angriffen der allesdürfenden Moto-Fahrer ausweichen, und sich stets dem Unmut der gerade wartenden Autoschlange aussetzen. Es ist immer dieselbe Prozedur, ein irgendwie sensorgesteuertes millisekunden-genau startendes gemeinsames Hupkonzert mit sofortiger Befriedigung der kollektiven Ungeduld. Ich bin mir sicher, es muss ein Menschenrecht sein, denn es gibt natürlich Hupverbotschilder. Hupen ist immer in, aber heisst niemals "Ich hasse Dich". So gehe ich meine relevanten 2 km im Gewusel mittlerweile längst zu Fuss. Der Begriff "Servei" (Service) wird übrigens ziemlich wörtlich genommen, obwohl es mir stets peinlich ist, als Fussgänger derart bevorzugt behandelt zu werden, oder er/sie mich persönlich zum gefragten Ziel begleitet, bzw mit der Zentrale bei Fragen telefonisch Rücksprache hält. Auch die Menschen in den Ämtern sind problemnah und pragmatisch. Vorschriften lassen sich hier wohl nur dann durchsetzen, wenn sie für Normalmenschen nachvollziehbar sind. Das Bürgerbüro muss übrigens in Andorra erfunden sein. Falls überhaupt Behördengänge anliegen, hat man einen einzigen Ansprechpartner. Hier laufen nicht Bürger durch Amtsstuben, sondern die Computer-Bits.

Doch in Andorra hat kaum etwas dauerhaften Bestand, auch Vorschriften nicht. Andere Staats- bzw Gemeinde-Services erscheinen geradezu revolutionär. Hätten Sie gewusst, dass hier die Müllabfuhr täglich ist (besser gesagt nächtlich), anstatt dass es 14 Tage in der Mülltonne müffelt? Bei mir pünktlich 21:55 Uhr, kann ich die Uhr nach stellen. Die morgendliche Kehrmaschine kommt übrigens um 6:55 Uhr. Und von meiner Heimatgemeinde Escaldes bekomme ich als normaler Bürger fast im Monatstakt professionelle Hochglanzbroschüren mit 3-D Visualisierungen von den kommenden Bauvorhaben zugeschickt. Welcher Unterschied zu Deutschland mit seinen Alibi-Amtsanzeigern und Aushängen, die hoffentlich keiner liest, und damit keinen Widerspruch einlegen kann. Egal, es wird in Andorra ohnehin nicht durch Umlage der Kosten auf Anrainer bezahlt, in D kostet das durchaus Existenzen. So gibt es auch keine staatliche Unverschämtheiten, wie Verlagerung der Haftpflicht für ungestreute eisige Fusswege im Winter, die der entsprechende Hauseigentümer durch den Trick "Umlage" bezahlt, die ihm aber nicht gehören. Doch eigene Ungeschicklichkeit wird man hier kaum einem Anderen aufdrücken wollen. Wäre ja auch ein Ding bei Andorras Absturzkanten. Ob hier überhaupt ein Bedarf an Rechtschutzversicherungen besteht, wage ich zu bezweifeln.

So festigt sich bei mir zunehmend der Eindruck, dass "Staatsdiener" in Andorra in Wirklichkeit "Bürgerdiener" sind, wovon deutsche Politiker seit Jahren schwafeln. Eine gewisse Gluckenhaftigkeit durch den Staat ist jedoch vorhanden. Vielleicht will er ohne Sozi-Hintergedanken schlicht "nur lieb" sein - ich weiss es nicht. Die Mentalität ist einfach zu verschieden. Jedoch: Die Staatsmacht hat ein nahezu perfektes Augenmass, und das kann dann bei Unverschämtheiten ungemütlich werden. Ihr allzu bräsig abgestelltes Auto ist eine rasche Beute der ekligen kleinen kommunalen Nissans mit der Abschleppbrille. Andererseits werden Sie feststellen, dass die Kommunen nicht auf diese Art Geld verdienen müssen. Geschickt verhandeln lohnt sich, und das Auslösen aus dem meist überdachten Asyl kostet höchstens 1/3 deutscher Preise.

Meine Privatwohnung liegt im Herzen Andorra´s, wenige Meter vom zentralen Grosskrankenhaus entfernt. Etwas Schlimmeres hätte einem überzeugten Landei wie mir eigentlich kaum passieren können. Die Unaufgeregtheit, mit der sich alle in diesem Hexenkessel arrangieren, muss man einfach erlebt haben. Als neugieriger Mensch stosse ich hier fast täglich auf ungewohnte Verfahrensweisen und Einrichtungen. Der Staat Andorra hat trotz seiner nicht überwältigenden Grösse anscheinend ein Kontrastprogramm gegen Zentralisierung. Die Kommunen scheinen recht autonom zu sein, und die Hauptstadt Andorra la Vella gönnt sich beispielsweise eigene Polizeiuniformen (rot anstelle mausblau), sowie Gullideckel mit eigener Prägung. Ob in den anderen Kommunen die Strassenbäume auch jeweils einen eigenen Unterflur-Bewässerungsanschluss haben, werde ich vielleicht noch herausfinden.

Bemerkenswert: Gerade "der Staat" gibt sich sichtbar bescheiden, ja geradezu ärmlich. Die Staatsdiener (pardon: Bürgerdiener) kann man durchs Fenster beobachten. Eine Bannmeile gibt´s nicht, und auch kein sichtbares Sicherheitspersonal. Das IT-Equipment ist irgendwie 90er Jahre (versiffte, schön gelbe Röhrenmonitore) und der Staat-Aussendienst dackelt mit betagten Fiat-Pandas durchs Land, während Kommunen, Polizei und Rettungsdienste, kurz die gesamte Infrastruktur-Maschinerie über aktuelles Hightech-Equipment verfügt. Deutsche Kommunalpolitiker würden in Tränen ausbrechen. Mein persönliches Sinnbild für dieses ungewöhnliche Verhalten ist der Placa del Poble (Platz des Volkes) auf dem Dach der Regierung. Da tanzt das Volk der Regierung sprichwörtlich auf dem Kopf herum.

Prägende Erfahrungen der Anfangszeit: Tanken tut hier nur der Tankwart incl irretiertem Blick, weil man einen Beleg (fürs Finanzamt) haben will, und Einkaufstüten an der Kasse kriegen Sie büschelweise umsonst im D-Gegenwert von etwa 1 Euro zugeworfen. Nicht zu vergessen meine Überraschung beim Einschalten des hiesigen Dudelfunks, überwiegend Soul- und Bluesbrothers unter den Andorra Musikredakteuren, wow! Could it be I´m falling in love? The Detroit Spinners und andere schwarze Kollegen täglich im Staatsfunk RNA war zurückblickend für mich das Signal von Anfang an. Aber no black man weit und breit, und fast nobody speaks angles. Ein komisches Land.

Achja Deutschland - der Staat gab sich mit seinen Finten wirklich grösste Mühe, ihm mit Freude und Genugtuung Tschüss zu sagen, ganz besonders im Nachhinein. Es war ein teurer Abschied, und ich hätte die Weichen sehr viel früher stellen müssen. Aber ich bin -hurra- wieder Unternehmer, und nicht mehr der Unterlasser der letzten 2 Jahrzehnte. "Arbeitsplätze schaffen" war -soweit ich mich erinnere- auch damals das Topthema in der Politik, und das waren schwarze Sozis. Das 3-fache von dem bezahlen, den meine wirklich sehr geschätzten Mitarbeiter von damals netto bekommen haben? Sie haben den Kündigungsgrund jedenfalls letzlich verstanden. Die restliche Wirtschaft hat es mir wohl anschliessend nachgemacht.

Halten Sie etwaige Abwanderungsgelüste am Besten tief unter der Decke, und gehen Sie cleverer/strategischer vor als ich das tat. Die Neidgesellschaft und Erfüllungsgehilfen-Mentalität in Deutschland sollte man nicht unterschätzen. Damit meine ich weniger den privaten Bereich, sondern das Denunzianten-System, das der Staat Deutschland mittlerweile sehr erfolgreich installiert hat, welches sich allerdings perfekt mit dem voreilenden Gehorsam in der deutschen Mentalität verbindet. Der Name Andorra wird dort jedenfalls stets mit "Steuerhinterziehung" in Verbindung gebracht, obwohl ich keinen "Scheinwohnsitz" anstrebt habe, was im Nachhinein auch reichlich lächerlich gewesen wäre beim Vergleich beider Systeme. Doch es gibt schliesslich noch das "Geldwäsche-Gesetz", ein geniales Schnüffler Universalinstrument, das auch in Andorra Auswirkungen hat. Logisch, dass das nur der Terroristen-Bekämpfung dient, genauso wie die Maut-Brücken in Deutschland natürlich ausschliesslich für LKW-Gebühren gedacht sind, und keinesfalls zur Beschnüffelung der Bewegungsprofile von Jedermann. Wir können ja mal wetten.

Zu Ihrem Steuerberater, zu grösseren Firmen und zu Ihrer Bank sollten Sie deshalb nicht nur rein geschäftliche Kontakte gepflegt haben. Alle haben staatlich angeordnete Pflicht zur Petze wegen den bösen Terroristen. Ich hab's durchgemacht, es ist erschreckend, welche Methoden das System draufhat. Diese Domain hat die Endung .de, deshalb ersparen Sie mir weitere Details, und Terrorist ist ein dehnbarer Begriff.

Andorra ist ein grosses Dorf, wo sich Unbekannte morgens ein fröhliches "Bon Dia" entgegenschmettern, und wo alles an eventuellen Befindlichkeiten einen sehr kurzen Weg nimmt, auch wenn´s dann manchmal südländisch lang dauern kann. Oder aber so kurz, das Sie ins Grübeln kommen. Weil Europa zu ihnen kommt, kann man verstehen, dass Andorraner vom Hörensagen angeblich ungern über ihre Berge schauen. Ich bete trotzdem fast täglich, dass es so bleibt. Dieses kleine, liebenswürdige Land hat so Vieles, was andernorts gar nicht mehr funktioniert. Doch es ist andererseits ein Global-Player im Geld-Business - Andorra zu unterschätzen wäre fatal. Weil es hier in der Binnenwirtschaft wegen des völlig anderen Sytems kein "Schwarzgeld" geben kann, hat ein Auslandskonto in Andorra folgerichtig auch keinerlei Makel, mit der entsprechenden Rechtssicherheit.

Aber als gequälte deutsche Unternehmerseele muss man abwägen, ob man sich den damit verbundenen Angstschweiss, die Beraterkosten und Zeitverschwendung mit bräsigen Personen überhaupt noch antun will. Andererseits ist Andorra bereits jetzt voll. Ich empfehle Ihnen bei konkreten Verlagerungs- und Auswanderungsplänen, dieses Land im wörtlichen Sinn zunächst versuchen zu "begreifen", weil hier nichts EU-konform tickt. Ja, das kann dauern, weil man ständig nach dem "Haken" sucht. Ich habe ihn jedenfalls noch nicht gefunden.

Mir fällt mittlerweile sogar regelmässig ein Stein von den Schultern, wenn ich aus den Nachbarländern "heimkomme in die Freiheit". Frankreich und Spanien haben von Deutschland viel gelernt. Alles das, was jedermann in D als Abzocke bezeichnet, und was mittlerweile offensichtlich zum EU-Stil gehört. Das ist aber gar nichts gegen einen Grenzübertritt von und nach Deutschland mit dem Auto. Machen Sie das zehnmal, und Sie sehen Deutschland wahrscheinlich anders als je zuvor. Wirklich komische Leute dort mit merkwürdigen Problemen.

Andorra hat sehr wahrscheinlich nicht unbedingt auf Sie gewartet, und auf mich ganz sicher auch nicht. Selbst wenn es hier aus deutscher Sicht von Marktlücken in diesem quirligen Staat wimmelt, in Bescheidenheit beobachten ist die beste Strategie - und sich ganz und gar auf die hiesige Mentalität einstellen! Am deutschen Wesen muss Andorra schliesslich nicht wirklich genesen. Auch nicht an Geschäftsmodellen für "besseres Leben ohne Steuern". Ich wäre schon froh, wenn ich einen Tischler ohne Liefertermin in 6 Monaten finden würde, einen Lieferanten für Tintenpatronen für einen uralten Epson Tintendrucker aus 2004, oder jemanden, der Zeit hat, eine Sat-Antenne auszurichten. Ach Andorra...

Falls Sie in meiner Branche tätig sind (Event-Planung, Event-Technik, Event-Marketing und Medien-Arbeit), schreiben Sie mir einfach eine Mail an lutz@lutz-meyer.com. Ansonsten nutzen Sie für Fragen und Meinungen zu diesem Artikel oder Andorra allgemein die Kommentar-Funktion unten. Als Gast wird lediglich Ihre Einwahl-IP getrackt.

Ein Besuch in Andorra mit dem Auto, zumindest das erste Mal, ist nicht sehr empfehlenswert, weil das überall im Weg steht, und auch eigentlich nicht gebraucht wird wegen der kurzen Distanzen. Nehmen Sie einen Flug nach Barcelona, und von da einen Bus der drei offiziellen Linien (Eurolines, Nadal, Novatel). Die Anbindung ist tagsüber etwa 6 mal etwa im 2-3 Stunden Takt, und die 3 1/2 Stunden Bus-Fahrzeit habe auch ich mit dem PKW noch nie ernsthaft unterbieten können. Fahrplan siehe oben unter den Links. So bleibt Ihnen das verwirrende Gewusel in Barcelona-City erspart, und Sie können die beindruckende Landschaft von Katalonien geniessen, z.B. Montserrat. Wenn Sie Andorra trotzdem mit dem Auto besuchen kommen, bringen Sie mir unbedingt Thomys Meerrettich (grüne Tube) mit. Das in Kürze, ich muss jetzt zur Grenze, deutsche Sozis verprügeln.

Andorra´s Seele. Update Juni 2005:

Ja, wo ist der Haken an diesem Land... Von 3 Jahren Erkundungszeit lebe ich nun über ein Jahr hier, und immer noch keine Nörgelei meinerseits. Nein, ich male mir Andorra nur wenig schön. Es sind ja nicht nur die grandiosen Naturschätze, auch nicht nur die herrlichen Menschen. Die Verwaltungseinheit Andorra -also der Staat- ist schon ein wundersames Gebilde. Ein kapitalistisches System wie in der TAZ-Story klassifiziert (Link siehe oben) - meinetwegen. Jeder kann sich hier beliebig ruinieren, aber eben nicht an Steuerschulden. Die nächste Schublade eines Sozis, die daraus zu folgernde "Ellenbogen-Gesellschaft" will dann schon mal gar nicht auf Andorra passen. So ist das mit dem Weltbild von lebensuntauglichen Würstchen.

Der Staat Andorra ist im normalen Leben negativ ziemlich unauffällig. Unübersehbar ist nur, dass er im öffentlichen Bild wirklich nicht zu übersehen ist mit all seinen Services. Wie gesagt, der Wohlfühl- und Beschützerdrang ist allgegenwärtig. Das hat aber nichts mit dem Privileg zu tun, richtiger Andorraner zu sein, denn die haben ohnehin ausgesorgt. Irgendwelchen Standesdünkel gibt es trotzdem (oder wahrscheinlich deshalb) nicht. Sie haben ja ein probates Mittel: Den Andorra-Pass gibt´s erst nach einem Viertel Menschenleben, und mancher deutsche Grosskotz hat das hier schon zu spüren bekommen.

Andorra hat eine Seele, und die muss rabenschwarz sein! Es ist eben nicht nur die südländische Gelassenheit. Ein Erklärungsversuch: Die uralte Kultur, die monumentale Natur zwingen zur Bescheidenheit. Die geografische Lage, die Schmuggler-Wurzeln und der beinharte Unwille, sich von Irgendetwas oder Irgendjemandem vereinnahmen zu lassen, gehören schon zusammen. Auch die Kontraste, und die kleinen Skurrilitäten wie z.B. das mmn völlig unbegründete Sicherheitsbedürfnis. Alarmanlagen und privates Sicherheitspersonal allenthalben. Ich gebe zu, darauf bin ich anfangs auch reingefallen in meiner Einschätzung von Andorra als Überwachungsstaat. Doch alles rein privat, warum auch immer. Sicher deutsche Sozis, die ihre Bestechungsgelder in Andorra-Immobilien angelegt haben. Kleines Spässchen. Gute Menschen tun sowas nicht.

Meint man Andorra in einem Aspekt bereits in eine Schublade stecken zu können, erlebt man kurz darauf genau das Gegenteil. Als Tourist bekommt man das leider kaum mit. Wenn man geduldig ist, jedoch die Herzlichkeit der Menschen. Und wenn man am Rec del Sola über "Andorra-City" einige Stunden die eigene Seele baumeln lässt, ist der "Spirit" Andorra´s durchaus fühlbar. Kann sein, dass ich einen Alptraum gegen ein Paradies getauscht habe.

Weiter geht´s mit Teil 2

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Lutz Meyer

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