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 Reise Review: Andorra Reisebericht Mai 2006
Reise Andorra
Geschrieben von lutzmeyer auf 02.06.2006 um 19:05:43

Escaldes und Andorra la Vella
Escaldes und Andorra la Vella

Aktuelle Bilder von Andorra und Spanien finden Sie hier:
Fotos Andorra, Pyrenäen

 

Ein Bericht über Andorra

von Peter Held, Leipzig. Dieser Bericht gibt einen Ausschnitt von 3 Tagen in Andorra aus einem Gesamtaufenthalt von 10 Tagen in Barcelona wieder. Andorra-Besuch: 3. bis 5. Mai 2006



Aber nicht das Andorra von Max Frisch! Überhaupt hat Max Frisch dem Land bitter unrecht getan. Er hatte eine gute Entschuldigung. Als man sich im Namen Andorras bei ihm beschwerte, hat er gemeint, ja sonst hätte er das Stück "Schweiz" nennen müssen.

Seit Tagen überlege und überlege ich, wie ich überhaupt einen Bericht - oder Eindrücke? - oder Beides? - von Andorra zusammenbringe. Man gerät zu leicht ins Spekulieren. Denn ich habe ja nur einiges Weniges gesehen, Lutz Meyer hat einiges dazu erläutert und einiges habe ich gelesen. Na und einiges habe ich mit andorranischen Institutionen und Unternehmen im Internet "erlebt". Vielleicht mache ich es so:

1. Zuerst ein paar - zur Hälfte scherzhaft gemeinte - Vorbemerkungen, um meinem Erstaunen und meiner Verblüffung über das Fürstentum Andorra Ausdruck zu geben.

2. eine Art Reisebericht über die Ausflüge allein und mit Lutz Meyer, meinem Scout vor Ort - mit Fotos vorangestellt die Schilderung und Anmerkungen zu den Reisevorbereitungen und die Anreise mit dem Bus nach Andorra.

3. ein paar Schlussfolgerungen aus dem Angelesenen, den persönlichen Erläuterungen zweier Deutsch-Andorraner und dem objektiv - subjektiv Gesehenen.

Ganz ernsthaft: Laut andorranischer Verfassung aus dem Jahre 1993 (also nach über 700 Jahren eigenständiger Existenz der andorranischen Gesellschaft - formaljuristisch im Feudalismus - ohne Verfassung im üblichen Sinne) ist das Land ein unabhängiger, demokratischer und sozialer Rechtsstaat und heißt offiziell Principat d' Andorra - Fürstentum Andorra!

Vorher herrschten 2 "Herrscher" gleichzeitig zusammen. Dieses Duodez-Fürstentum spielt auch heute noch hinein. "Oberste" - Herrscher oder irgendwas (?) - sind auch heute noch gleichberechtigt der französische Präsident und der Bischof von Seu de Urgell auf spanischer Seite - aber erst seit 1278! Ein demokratisch gewähltes Parlament - Consell general - haben sie seit dem 15. Jahrhundert.

1. Mystisch-phantastische Vorbemerkungen:

Nachdem ich da war, habe ich mehrere Erklärungen für das ANDORRA. Entweder es handelt sich um eine lebende Fantasy- bzw. Mystery-Story und ich habe die Stelle, wo den Betroffenen in Filmen kurzzeitig das Bewusstsein abhanden kommt, verpasst. Also die Stelle, wo der Übergang in das Parallel-Universum erfolgt!

Ich glaube jedoch eher, dass ich nur die Berge auf der Hinfahrt nicht richtig gezählt habe, sicher sind es sieben. Und hinter den sieben Bergen landet man ja bekanntlich bei den sieben Zwergen. Sicher hausen die seit ein paar hundert Jahren in den Bergen. Sicher haben ihnen die Andorraner, weil sie sich immer so abschuften mussten, Leid getan und sie versorgen sie seit ein paar Jahrzehnten mit ihrem Reichtum - unter der Bedingung, dass sie Gutes tun, Gemeinsinn zeigen und immer ans Gemeinwohl denken.

Nur so ist zu erklären, dass diese Begriffe in diesem kleinen Fleckchen Erde - mitten im schlimmsten Wolfs-Kapitalismus - im Süden wie im Norden! - plötzlich so offenkundig zu tage treten!

Erstaunlicherweise stellt eine andorranische Legende eine Variante des Märchens von Schneewittchen dar, jedenfalls so weit es die Anfeindung durch die böse Stiefmutter anbetrifft und die Flucht in die Berge. Die Legende mündet aber darin, dass die gerettete Prinzessin wiederum einen verwundeten Kämpfer gegen die Ungerechtigkeit der bösen Stiefmutter hilft und pflegt. Da er mit großen körperlichen und menschlichen Qualitäten und Güte ausgestattet ist, verliebt sie sich in ihn, und - obwohl er niederen Standes - heiraten sie später. So bilden sie beide das "erste Paar der Täler von Andorra". So erklären sich die großen menschlichen Qualitäten, die die Andorraner noch heute auszeichnen und die auf die guten Charaktere der Kinder der Prinzessin und ihres Helden zurückgehen, deren Nachkommen sich über das ganze andorranische Territorium verteilten.

Klingt das nicht zum-Tränen-rühren schön? Irgendwie passen die zwei Figuren am Casa de la Vall zu dieser Legende. Und zu allem Überfluss scheint die Realität Andorras auch noch mit dem Fazit dieser Legende übereinzustimmen.

Bevor ich losfuhr, habe ich noch von der 1000-jährigen ununterbrochenen Geschichte (erste schriftliche Erwähnung um 800) des andorranischen Volkes gelesen, das nie über 6000 Familien gezählt haben soll. Es ist trotzdem unabhängig geblieben und hat sich Kultur, Sprache und Sitten erhalten! Ein Wunder ist es auf jeden Fall!

2. Drei Tage Andorra

Vorbereitungen

Schon als ich 2005 auf dem Montserrat in die Ferne nach Norden zu den schneebedeckten Gipfeln der Pyrenäen schaute, kam mir der Gedanke, da liegen Val de Nuria und Andorra, zwei Reiseziele, die mir schon vorher auf/eingefallen waren. Als ich die Reisevorbereitungen für Barcelona 2006 im Oktober/November 2005 begann, ahnte ich noch nicht, dass ich da auch schon in den ersten Teil des Abenteuers Andorra einstieg!

Nachdem ich mir gesagt hatte, 3 Tage Aufenthalt ist a priori gut, begann ich meine Sucharbeit im Internet auf 3 Dinge zu lenken: 1. Anreise 2. Hotel bzw. Unterkunft 3. Wann und wie - welche Ziele im Detail

Anreise organisieren

Wie ein Schock trifft den Eisenbahn-Fan ganz schnell die Erkenntnis - Andorra hat keinen Bahnanschluss! Unglaublich - ein ganzes Land, von dessen wahrer "Größe" oder besser Kleinheit ich ja zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorstellung hatte, weder mit der Bahn zu erreichen noch zu durchqueren!?

Nun, auf französischer Seite führt eine Bahnstrecke sehr nahe heran und dann muss man sich als Angehöriger eines Lande mit einem - zumindest ehemals - besonders dichtem Eisenbahnnetz an etwas gewöhnen, das in Spanien und Frankreich sehr verbreitet ist - Autobuslinien im Nah- und Fernverkehr. Also kombiniert - Bahn und Bus. Geht auch auf spanischer Seite. Einfacher ist es jedoch von Barcelona aus mit dem Fernbus hochzufahren. Täglich fährt ein gutes Dutzend Busse (oder mehr) hoch! Aus der Stadt Barcelona heraus sind es zwei Firmen, Nadal bzw. Eurolines und Alsina Graells, die täglich mehrmals sowohl Nonstop, als auch mit Unterwegshalten auf verschiedenen Strecken nach Andorra la Vella fahren. Aber hier offenbart sich bereits ein Mangel aller Angaben im Internet über Fahrverbindungen in und nach Andorra - sie mögen noch so bunt und vertrauenswürdig aussehen, sie sind leider unzuverlässig.

Verschiedene Internetseiten, mindestens 5 oder 6, enthalten diese Busverbindungen, aber jedes Mal ist etwas anderes "anders", da werden für dieselbe Firma unterschiedliche Ankunftsorte, Abfahrtsorte und andere Abfahrtszeiten angegeben. Keine der beiden Firmen hat auf mehrfache Emails, auch in englisch, Antworten gegeben.

Fahren nun bei beiden Firmen die ersten Busse früh um 5.30, 6.00 oder 6.15 Uhr? Tatsächlich fahren beide 6.15 Uhr -Nonstop - auf verschiedenen Strecken, fährt Nadal ab Sants? (ja!), fährt Alsina ab Busbahnhof del Nord? (ja). Und bei Ankunft stellt man fest, dass beide Buslinien in der Av.Taragona im Busbahnhof von Andorra la Vella enden! Letztliche Klarheiten, wann welcher Bus von welcher Firma wo abfährt und wo ankommt, habe ich auf diese Weise erst am Tage vor der Anreise durch Besichtigung der beiden Busbahnhöfe Sants und Barcelona Nord erreicht.

Alles ist auf einmal ganz klar, wer oder was aber verursacht die falschen Angaben? Aus Gedankenlosigkeit? Schlamperei? Warum schaut keiner mal rein von den Betreibern? Zugegeben, wenn die Angaben über die Busverbindungen auf so vielen fremden Internetseiten stehen, können schon mal Fehler vorkommen. Warum reagiert aber keiner auf Hinweise. Ich weiss doch nicht, was richtig und was falsch ist!

Die Internet-Präsenz und Darstellung stehen im umgekehrten Verhältnis zur "Nutzbarkeit". Von meiner Unterkunft C.Bejar zum Busbahnhof Nord ist es umständlich und weit (Laufen zur Linie 1, Metro bis Arc de triomf, noch mal 5-10 min Fußweg), die Abfahrtsstelle Sants der Firma Nadal ist klar ausgewiesen, leicht zu finden und nur 10 Minuten vom Hostal entfernt!

Hotel buchen

Es gibt unendlich viele Hotels im Land Andorra und noch mehr Anbieter drängeln sich darum, dem Suchenden etwas anbieten zu wollen. Der offenbar mächtige Hotelierverband von Andorra und das System bei Google bringen es dazu, dass einem - was man auch macht - Hotels, Hostales, Alojamentes jeder Art angeboten werden. Oft sind die Angaben veraltet - ein - zwei Jahre. Bei konkreter Nachfrage per Email oder über das integrierte Fragebogensystem - "keine Buchung" - "nichts frei" - oder gar keine Antwort. Und alles relativ teuer (Zimmer über 70 EUR pro Nacht und viel mehr, ja nach Anzahl der Sterne). Auf eine Nachfrage, wann ist Haupt- und Nebensaison - keine Antwort. Das passiert einem überhaupt häufig - keine Antwort auf Emails, auch wenn man englisch oder gar kastilisch anfragt. Und eine verständliche Frage in catalá bekomme ich nicht zusammen. Nach einigem Suchen - Hotel de Pyrenees, 3 Sterne, 2 Nächte, je ca. 36 EUR, im Zentrum von Andorra la Vella. Beinahe wären im Email-Hin-und-Her die Monate März und Mai verwechselt worden. Die Antworten kamen allerdings schnell (Stunden) und prompt!

Besuchsziele aussuchen

Was besuche ich nun, wie komme ich dahin? Allzu viel geben die Broschüren und das Faltblatt nicht her. Es macht den Eindruck, als sei den zuständigen andorranischen Fremdenwerbern und Tourismus-Beratern selbst nicht ganz klar, dass sie ein Kleinod bewohnen und was für Eines! Ich bin kein Fachmann und ich weiß auch nicht, wie man das eigentlich Sehenswerte, das Land an sich darstellen soll, die Täler, die Berge, die Natur - ein Land, in dem eine ebene Fläche von der Größe eines Fußballfeldes schon eine Sehenswürdigkeit ist! Da helfen schon eher einige Reiseberichte im Internet. Es ist verrückt, was man alles genießen kann oder könnte, weiß man so richtig erst hinterher!

Der sensationsgewohnte Tourist ist geneigt, alles an punktuellen "Sights", Bauten, Ruinen u. dergl. festzumachen. Das versuchen die Andorraner in ihren Prospekten und Broschüren auch. Mir hat es nicht allzu viel gesagt. Landschaft an sich ist als Angebot schwer zu vermitteln. Andorra besteht nur aus tief eingeschnittenen Tälern, die nur am Gebirgsrand, also nach Südwesten zu, für eine intensive Bebauung breit genug sind. Aus den Quellen kriegt man einige Punkte zusammen, an denen es wohl vor allem die Aussichten sind, die so reizvoll sind.

Das Heiligtum von Andorra Meritxell, die Orte Ordino und El Serrat, La Massana, Arinsal, das Tal von Madriu, verschiedene Seen, wie der Estany d'Engolasters, aber vor allem auch die Höhen bzw. Berghänge beiderseits von Andorra la Vella und Les Escaldes-Engordany - hier vor allem die Caldea! - können Besuchsziele eines Aufenthaltes sein. Und das meiste davon habe ich mit Hilfe von Lutz Meyer und seines PKW kennen gelernt.

Weil auf dem Straßennetz Andorras, das sicher die entsprechend den räumlichen Möglichkeiten größtmögliche Anzahl Fahrspuren und -breiten hat, ein dichter Verkehr herrscht, bietet sich als Verkehrsmittel für den Touristen der interne Busverkehr von Andorra an. Ich selbst habe 45 "Bookmarks" von Andorra. Auf mindestens einem Dutzend Internetseiten sind Angaben über den internen Busverkehr, Verweise (Links) oder Zitate enthalten.

Ich weiß bis heute noch nicht, was davon falsch und richtig ist. In den Angaben führen immer Linien von Andorra la Vella nach Pas de la Casa über Canillo und Soldeu, Linien nach Ordina und El Serrat, Linien nach La Massana und Arinsal. Alle gehen durch Les Elscaldes-Engordany. Aber die Anzahl der Linien (7, 8 oder 9?), die Linienführung, selbst die Liniennummerierung und die Betreiber unterscheiden sich in Text und Kartenbild ständig, abgesehen davon, dass die Angaben über die Buslinien oft Jahre alt sind und die Pläne kein Update erfahren haben. Zwei Unternehmen - Cooperativa interurbana andorrana und HispanoAndorrana - haben sogar mit aktualisierten Fahrplänen geantwortet, letztere erst nach Mahnung und 4 Wochen, aber viel klarer ist die Sache dadurch auch nicht geworden.

Man sagt der Wandel sei in Andorra das einzig Beständige. Aber doch bitte nicht die wichtigsten Angaben für die Besucher, die man ja braucht! Hier gilt das gleiche, was ich schon für die Angaben zur Anreise gesagt habe.

Fest steht - die Ziele Arinsal, El Serrat und Meritxell hätte ich mit internen Buslinien und Taxi gut erreicht - einfach in Andorra la Vella an die Abfahrtsstelle gehen, schauen gucken fahren. Ich habe unterwegs sowohl Haltestellen, als Busse gesehen. Also es geht, bloß nicht ganz so, wie in Barcelona mit Metro Linie 1 und Bus 57, wo ich anhand der Pläne und Karten metergenau und minutengenau langfristig vorher von Leipzig aus im Internet mein Ziel fixieren kann.

Wie ist das Abenteuer Andorra nun über mich gekommen?

Am 03.Mai 2006 kurz vor 6 Uhr stehe ich hinter Sants Estacio am Schalter von Nadal und kaufe mir ein Ticket mit Rückfahrt nach Andorra la Vella. Ich bekomme 10 % Rabatt auf mein Alter. Die Rückfahrtseite wird nicht ausgefüllt, weil ich erklären kann - auch in Englisch -, dass ich noch nicht weiß mit welchem Bus ich am Freitag zurückfahre.

Rein in den hochmodernen Bus, gleich hinter den Fahrer. Es wird eine herrliche Fahrt, fast 4 Stunden - eigentlich nur 3, aber an der Grenze werden wir 45 Minuten aufgehalten. Auf einer der 3 oder 4 möglichen Strecken fahren wir zügig nach Nordwesten, ohne Stopp. Erst durch das voll industrialisierte Vorland von Barcelona, mehrere Autobahnen parallel, Richtung Manresa. Es geht über Calaf - Ponts - Organya - Seu d'Urgell !

bild011.jpg bild021.jpg Stausee Panta Oliana - bild031.jpg
Anfahrt Katalonien

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Andorra!

Aus dem ziemlich leeren Land hinter Seu de Urgell taucht plötzlich die Grenzstation auf. Von einigen Uniformierten und Zivilisten werden wir aufgefordert, auszusteigen und mit allem Gepäck in die Grenzstation zu kommen. Kurz und gut - sie flöhen uns ganz schön durch, einige werden gesondert befragt und wohl sogar in Leibesvisitationen untersucht. Die Zöllner, es ist die spanische Grenzpolizei oder der Zoll, halb in Zivil, halb in Uniform, scheinen Geld - Bargeld - zu suchen. Der Beamte ist ziemlich erstaunt, weil ich außer 50 EURO kein Geld weiter bei mir habe. Er versteht und akzeptiert aber meine in Englisch vorgetragene Erklärung, dass ich nur in das Land und in die Berge will und nicht zum KAUFEN. Außerdem habe ich mehrere Cards.

Andorra Grenze - bild041.jpg

Kurz dahinter - ein völlig anderes Bild! Dichte Bebauung, durch die steilen Bergwände begrenzt, aber trotzdem hoch den Hang hinauf. Die Häuser gehören wohl zu La Rabassa oder Sant Julia de Loria, den ersten Ortschaften in Fürstentum Andorra, die nahtlos ineinander übergehen. Man hat ja anfangs keine Vorstellung, wie klein das Land ist, also hat man auch keine Vorstellung, ob das was man sieht vielleicht schon zum nächsten Ort, also Santa Coloma oder gar schon zu Andorra la Vella gehört.

bild051.jpg bild061.jpg
Andorra la Vella Südwest

Die Schule am anderen Ufer fällt sofort auf, auch die Fußwegbegrenzung durch Prallstangen. An anderer Stelle wird eine zusätzliche Fahrbahn im Flussbett aufgeschüttet. Viel schneller als erwartet hat der Bus die Estacio autobusos de Andorra la Vella erreicht.

Hier stellt sich auch heraus, dass alle Fernbusse hier enden oder abfahren. Ich kann zwar die Richtung erkennen, in die ich gehen müsste, bin aber durch die unerwartet geringeren Entfernungen erst mal irritiert und die Aussicht Gepäck zu schleppen, lockt mich wenig. Also warte ich auf eine Taxe - Hotel de Pyreneés - kein Problem, bisschen Englisch und die Email vom Hotel ergänzen die Verständigung. Mir scheint die Fahrt nun wieder ziemlich lang. Später begreife ich, dass durch die Straßen- und Ortslage der Fahrer erst auf der einen Seite des Flusses Riu Gran Valira tatsächlich bis "ans obere Ende", d.h. den Anfang von St. Escaldes fahren muss, den Fluss überqueren und dann in Gegenrichtung durch die Hauptstraßen Av Meritxell und C. Princep Benlloch zurück zum Hotel muss. Dabei lerne ich aber fast den ganzen Ort Andorra la Vella kennen - ohne es recht zu wissen. Am Schluss verlangt der Fahrer knapp 5 EUR von mir - mehr als billig!

Hotel Pyrenees - bild071.jpg
Av. Princep Benlloch

Es lief alles ganz wunderbar, einchecken, Zimmer beziehen, begucken - alles OK. Erstes Telefonat mit Lutz Meyer. Im Hotel - typisch spanisch - Mittagessen ab 13.00 Uhr. Bei deren Essenszeiten - Frühstück ab 8.00 Uhr ( da sind wir am nächsten Morgen schon Richtung El Serrat gerollt!), Mittags habe ich ab 10/11 Uhr Hunger und Abendbrot ab 20.30 Uhr steht außerhalb jeder Diskussion. Da werde ich müde!

Besichtigung der Altstadt: Um 11 Uhr haben wir die Besichtigung der Altstadt und der Einkaufsmeile begonnen. Man erwartet immer viel größere Gebäude und auch Entfernungen - 2 mal umgedreht - Ende erreicht.

Das alte Regierungsgebäude Casa de la Vall - schon das Wort ist größer als das ganze Bauwerk. Ein echtes Kuriosum ist die Küche, wo früher für die Conseiller gekocht wurde, wenn sie zusammenkamen! Ich würde sagen - ein größeres "Bürgeramt". Das "neue" Regierungsgebäude - das muss einem erst gesagt werden, das es das ist. Es ist für mich der Inbegriff von - nein nicht Zweckmäßigkeit - das Wort passt hier nicht, aber von Zweckerfüllung. Es dient, wie die Regierung, die darin wirkt, dem Volke. Es ist vor allem ein Parkhaus! Es ist an den Hang geklebt. Also hat man auch gleich einen öffentlichen Fahrstuhl zum tiefer liegenden Teil der Stadt eingerichtet.

Oben drauf - in einer Ebene mit den höher liegenden Stadtbereichen darf die Bevölkerung ihrer Regierung auf dem Kopf herum tanzen - Placa del Poble - Platz des Volkes - Versammlungs-Platz, Sportplatz, Ruheplatz, Treffpunkt - alles in Einem. Und alles außerordentlich zweckmäßig und keinesfalls hässlich. Ob der Fahrstuhl hierzulande dem Stilgefühl der Architekten entsprochen hätte, wage ich zu bezweifeln. Er ist aber gut, zweckmäßig und wird einfach gebraucht, also wird er eingefügt und passt! Basta!

Das liegt vermutlich auch darin begründet, dass sie das sog. Subsidiaritätsprinzip , um dessen Verwirklichung in der EU seit Jahren erfolglos gerungen wird, seit mehreren Jahrhunderten praktisch ausüben. Was in den Gemeinden (Parroqias) zu entscheiden ist, überlässt die Regierung den Gemeinden!

In den wenigen sichtbaren Etagen ist die gesamte Verwaltung des Fürstentums, wie viele Personen weiß keiner genau. Kenner sagen - erheblich weniger, als in Deutschland für die Verwaltung einer 70000-Seelen-Kleinstadt eingesetzt wird. Das liegt daran, dass sie noch nicht mit der Bürokratie in Deutschland und der EU in engeren Kontakt gekommen sind. Und so ist es mit allem - die "großen Kirchen" psst! - hießen hierzulande Kirchlein! Schauen wir nur mal nach Berlin - Bundeskanzleramt - neuer Hauptbahnhof. Wahrscheinlich steht auf dieser Fläche in Andorra die gesamte Hauptstadt!

Am Nachmittag haben wir mit dem PKW alle Aussichtspunkte besucht, die in unseren Emails eine Rolle gespielt haben - Sonnenhang - Schattenhang - Straße Richtung La Massana. Von Els Vilars über Engordany aus schweift der Blick das Tal nach "unten" - "Richtung Espana", wie auch tatsächlich Richtungsanzeiger angeben! Im Tal darunter wird im Umfeld des Kraftwerkes mächtig gebaut, auch ein Straßentunnel als Umgehung für den Schwerverkehr durch Escaldes-Engordany ist im Bau.

Quasi auf der "anderen Seite" des Tales findet man den Aussichtspunkt (und die Häuser von) La Comella. Und von Escaldes -Hauptrichtung Osten - sind wir über die Kirche von Sant Miguel D'Engolasters an einen See, den Estany d'Engolasters, gelangt.

Überhaupt Bauen und Straßen sind ein Kapitel für sich. Ich glaube nicht, dass in irgendeiner deutschen Verwaltungseinheit von ca. 35000 Einwohnern (soviel umfasst Andorra La Vella + Escaldes-Engodany etwa) soviel private und öffentliche Bauten gleichzeitig gebaut werden, wie in Andorra. Es sollen etwa ständig 50-80 Baukräne im Tal und an den Hängen bis zu einigen Hundert Metern Höhe in Betrieb sein. Scherzhaft gesagt, wenn man die Kräne gleichmäßig über das Tal verteilte, könnte man eigentlich damit alle Bauflächen abdecken, ohne eine Ortsveränderung der Kräne für den nächstfolgenden Bau vornehmen zu müssen. Und alles, wirklich alles Bauen erfolgt hier unter erschwerten Bedingungen - Enge - Steigungen - Kunst am Bau wird erstellt! - Aktualisierung der Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Strom, Kommunikationssysteme).

Wer was vom Bauen versteht, kann sich die Probleme vorstellen, wenn ein Grundeigentümer ein Privathaus (Typ 10 Zimmer-Villa) in 300-500 m Höhe am Hang baut, angefangen von der Errichtung der Bau- und Zufahrtsstraßen, Kran aufstellen, Versorgungssysteme nicht heran, sondern heraufziehen usw. usw.! Allein für das "Drum & Dran" könnte man im Flachland ein ganzes Haus errichten!

A propos "Kunst am Bau" - bauwillige Andorraner sind offenbar vernarrt in dieses Thema. Überall gibt es herrliche Skulpturen, Auf der Insel im Kreisverkehr steht eine mythische Figurengruppe (Edelstahl!). Eine kleine Neubaubrücke ist von einem namhaften Architekten entworfen und gebaut und sieht auch gleich richtig exquisit aus.

Aber auch die Bauwerke selbst - wenige genau wie hier - sind gelegentlich Baukunst an sich - siehe Caldea, das Thermalbad in Escaldes-Engordany. Beim ersten Anblick aus einiger Entfernung habe ich sofort die Assoziation - Eis und Kristall - was wohl auch im Sinne des Künstlers ist.

Ich war Anfang Mai da, d.h. Winterschäden - wenn sie denn vorhanden wären, wären kaum alle wieder beseitigt. Aber die Straßen zeigten keine Schäden! Alle sahen aus, wie frisch gelegt!

bild081.jpg bild091.jpg bild101.jpg bild111.jpg
Blick von Engolasters auf Andorra la Vella und Escaldes

Sant Miquel d´Engolasters - bild121.jpg Bergsee Engolasters - bild131.jpg
Die Kapelle Sant Miquel d´Engolasters und Bergsee Engolasters

Caldea - bild141.jpg
Caldea

Tunnelbaustelle zum Valira-Nordtal - bild151.jpg
Tunnelbau am Kraftwerk

Brücke Pont de Paris - bild161.jpg bild171.jpg
Und das ist Andorra la Vella "von innen" oder ist das schon Escaldes-Engordany?

Nach dieser Abschweifung weiter im Kennen lernen. Also war ich in der Caldea baden. Natürlich verschlägt es einem beim Eintritt erst mal die Sprache - 30 EURO für 3 h! (Der junge Mann am Schalter spricht gut deutsch, meine EC-Card geht wieder mal nicht - kommt öfter vor, aber VISA tut's) Auch der Fahrstuhl im Turm ist eigentlich happig - 2,50 EURO. Vergleich: 2 x Fahrstuhl = 1 x mit dem Taxi durch die ganze Stadt!

Aber was soll's - das Ergebnis beruhigt wieder. Natürlich bin ich nicht 3 Stunden da drin geblieben. Wahrscheinlich muss man Goethe sein oder - gemessen an den Worten anderer Reiseberichterstatter - der Eindruck ist überhaupt nicht so leicht mit Worten wiederzugeben. Der gläserne Spitzbau ist nämlich von innen durchsichtig. Man stelle sich also vor - man liegt in einem Sprudelbecken bei 34 Grad Celsius schaut in die Höhe - wo soll man sonst hinsehen, wenn nicht gerade auf einen knappen Badeanzug, - und schaut auf Berge über 2000 m Höhe mit Schnee auf dem Gipfel! In einem Besucherbericht kann man lesen, dass überall das Symbol mit dem Finger auf den Lippen zur Ruhe mahnt.

Abgesehen mal davon, dass die Eintrittspreise ganze Kinderscharen, die Lärmen könnten, von vorn herein ausschließen, scheint mir auch die ganze Architektur in Verbindung mit dem Baumaterial und der Wasserfläche stark lärmdämpfend zu sein.

Es gibt also ein großes rundes Becken (20-30 m Durchmesser) mit mehreren kleinen Becken in unterschiedlicher Höhe, in denen das Wasser in starker Bewegung ist (à Unterwassermassage!), ein Sprudelbecken, einen Kanal ins Freie mit einem Außenschwimmbecken. Sehr gefallen hat mir ein Ringkanal mit hoher Strömungsgeschwindigkeit, so dass man quasi fortgeschwemmt wird. Erstaunlicherweise konnte - nach dem ich bald 20 Jahre - oder länger? - nicht im Wasser war, sofort wieder schwimmen.

Die orientalischen Bäder sind vor allem architektonisch anders gestaltet, so eine Art kleine Hallen Typ altes Rom. Das wesentliche daran sind ein Warmwasserbecken mit 34 Grad und ein Kaltwasserbecken mit 14 Grad. Aber es ist für solche wie mich, die so etwas nicht für gesund, sondern für Sadismus halten, dran geschrieben. Es gibt noch große Bereiche für Wellness, was immer das auch sein soll, Sauna und einen speziellen Club (mit entsprechen dem Eintritt), aber danach war mir nicht.

Ja, als ich genug hatte, bin ich langsam Richtung Hotel marschiert, um mir mal so richtig die Einkaufsmeile anzusehen. Auch wenn ich kein Foto davon habe. Zum ersten Mal habe ich so richtig die andorranische Polizei erlebt! Auf einer Kreuzung regelte eine junge Frau in einer knallroten Uniform den Verkehr. Sie erinnerte mich eher irgendwie an eine englische Parade-Uniform. Jede Parróqia hat ihre eigenen Uniformen (Farben)!

Am Donnerstag, den 04. Mai 2006, früh 8.00, starten wir mit Meyers PKW "nach oben". Heute wird mein zentraler Wunsch für Andorra erfüllt, auf nach El Serrat, dorthin wo es laut Karte "nicht mehr weiter geht". Zwei Reiseberichte im Internet hatten mich darauf scharf gemacht - wegen der tollen Aussicht.

Man merkt nichts davon - wir starten bei etwa 1050 - 1100 m Höhenlage in Andorra la Vella. Den obersten Punkt, wo nur noch eine Schotterstraße nach Arcalis (Skigebiet) weitergeht, d.h. wenn kein Schnee liegt, schätzt Lutz Meyer auf 2500 m - WOOWh! Der Punkt "wo es nicht mehr weitergeht" liegt ein ganzes Stück oberhalb von El Serrat. Vorher sind wir durch Ordino gekommen.

Immer wieder überraschend die "Winzigkeit" der Ortschaften. Ordino wird immer als bedeutender Ort angesprochen - früher Bergbau, Verarbeitung - Reichtum, heute fast exklusiv - heißt es. Im Vorbeifahren nehme ich ein paar Häuser war - und schon ist Ordina und El Serrat vorbei!

Es ist eine wunderbare Fahrt nach oben - phantastisch gute Straße, fast kein Auto, kein Mensch - es ist Zwischensaison. Es liegt noch jede Menge Schnee, aber die technischen Einrichtungen und Hütten sind offensichtlich verlassen. Die Luft, die Natur, die Berge, die Aussicht - alles ist so überwältigend, dass man es kaum fassen kann.

bild181.jpg bild191.jpg bild201.jpg bild211.jpg
bild221.jpg bild231.jpg
Valira Nord ab El Serrat bis Arcalis

Was da an Wasser nach unten fließt, mündet in den Riu Valira del Nord. In Escaldes-Engordany fließen "unter der Caldea" der Riu Valira del Nord und der Riu Valira d'Orient zum Riu Gran Valira zusammen. Was da fließt, ist so klar und sauber - und saukalt! und schmeckt richtig nach Quellwasser, wie ich aus meiner Kindheit von unseren Wanderungen im Gebirge in Erinnerung habe. Jedenfalls ist es - quasi mitten in einer "zivilisierten" und gebauten Umwelt in Mitteleuropa - ein Kleinod, das gar nicht hochgenug geschätzt werden kann.

An Rastplätzen stehen Hinweistafeln auf die Schutzgebiete. Ein kleiner Mangel dieser Tafeln. Ihr Text ist katalanisch. Da dies die offizielle Landessprache ist, ist dies legitim. Da aber die Einwohner sicher längst Bescheid wissen darüber, sind diese Hinweise ein bisschen in die Luft geschossen, denn welcher Besucher kann schon catalá? Auch wenn den Lateinern unter uns der Text durchaus nicht ganz unverständlich ist (wegen der Nähe von catalá zu latein), wäre es doch besser, wenn er in noch einer, besser zwei Fremdsprachen (französisch, englisch) vorhanden wäre.

Beim Abwärtsfahren entdecken wir tatsächlich 2 ebene Flächen und - gar nicht so selten - offiziell eingerichtete Grillplätze. Weiterhin entdecke ich neben öffentlichen Bushaltestellen (Intern-Buslinien) auch diese bezaubernde Brücke, die hier seit (1-2-3-400 Jahren?) original rum steht - und keine stehen gelassene Filmkulisse ist!

Mittelalterliche Brücke bei El Serrat - bild241.jpg Friedhof La Cortinada - bild251.jpg
Historische Brücke bei Les Salines und Sant Marti de la Cortinada

Die "Schrankwand" ist ein "verbotenes" Fotoobjekt. Der taktlose Tourist möge die Totenruhe der Verstorbenen gefälligst nicht stören! So urteilen Einheimische über das Fotografieren auf dem Friedhof. Ich finde diese Art der Bestattung weitaus besser, als unsere!

Übrigens erfährt man aus den Inschriften der Tafeln, dass es hier noch etwas über dem üblichen Familiennamen gibt. Wir kennen das nur aus historischen Romanen und adligen Häusern, so eine Art Sippennamen "de Casa" - aus dem Hause. Eigentümlicherweise erscheint es mir auf dem Friedhof als etwas Erhabenes.

Am gleichen Tage noch fahren wir noch ein Stück Richtung La Massana und dann "Richtung Franca" nach Meritxell. Nach einer Zerstörung entstand ein wunderbarer Neubau - ich wies schon mal daraufhin, dass die Andorraner gelegentlich tolle öffentliche und Kulturneubauten errichten.

Santuardi Meritxell - bild261.jpg Santuardi Meritxell - bild271.jpg Santuardi Meritxell - bild281.jpg
Andorra´s Heiligtum. Santuari la Mare de Déu de Meritxell, Schutzpatronin von Andorra

Am Nachmittag hat mich Lutz Meyer "am oberen Ende" des Rec de Sola abgesetzt. Dies ist ein Pfad unmittelbar neben einem Bewässerungsgraben, der im 19. Jahrhundert zur Bewässerung der Hausgärten angelegt wurde, also fast eben ist. Da nun die ganze Talsohle von Andorra nach Escaldes ansteigt, gibt es hier einen Punkt, wo man keinen halsbrecherischen Anstieg bewältigen muss, um an den Rec de Sola heranzukommen.

Ich hatte so einen Steig abwärts bewältigt, um wieder zum Hotel zu gelangen. Es war der steilste Fußweg, den ich je gesehen habe. Teilweise ohne Stufen so steil, dass ich ständig befürchtet auf dem harten Boden abzurutschen!

Dieser Rec de Sola ist ein kilometerlanger "Aussichtsturm" von besonderer Güte. Weil das Tal abfällt, hat man aus großer Höhe einen wunderbaren Blick auf Andorra la Vella, wenn man nicht gerade 2 Ziegen ausweichen muss, die von ihrem Besitzer wie Hunde an der Leine ausgeführt werden (Platz-) Not macht erfinderisch!

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Rec del Sola am Sonnenhang über Andorra la Vella

Zu diesem Kapitel ein Nachtrag: Als ich am nächsten Morgen mit der Taxi zum Busbahnhof fuhr, sah ich etwas, was mich so verblüffte, dass ich alle Geistesgegenwart verlor - ich hätte zurückfahren lassen sollen und fotografieren: Mitten in diesem dicht bebauten Tal, rings um Bauten, Baustellen, Gewerbe, eine Grünfläche so groß wie ein Fußballfeld und darauf grast friedlich und unerschütterlich eine Herde von etwa 12 Kühen!

Die Ziegen und die Kühe neben Caldea und supermodernen Edelstahlplastik - das ist auch Andorra! Das Verrückteste daran ist - es wirkt nicht, wie z.B. auf dem Balkan, chaotisch und unzivilisiert - hier hat es was selbstverständliches, erhabenes, irgendwie passt es!

Nach diesem halsbrecherischen Abstieg und Abstecher ins Hotel bin ich trotz drohendem Regen, der mindestens 1 Stunde über einem Berg in nordöstlicher Richtung fest hing, ehe er über Andorra la Vella kam einfach im Städtchen herumspaziert. Der Fußweg zum Busbahnhof über den Placa del Poble (Regierungsdach!) und den bereits diskutierten Fahrstuhl war leicht zu finden, auch der kleine Brückenneubau zum Volkspark mit Kinderspielplatz und dahinter der Busbahnhof! Alles nur Katzensprünge und zwar im Wortsinn! Dann bin ich einfach im einsetzenden Nieselregen los (es war vorher nur Schönwetter!) und habe versucht den Weg nachzuvollziehen, den das Anreise-Taxi genommen hat. Also bin ich in der Av. Meritxell gelandet.

Dort habe ich eine Uhr gekauft, die so gut verpackt wurde, dass sie ohne jeden Schaden auch den ziemlich robusten Flugtransport überstanden hat. Da ich Zeit hatte konnte ich den Service der netten jungen Verkäuferin in Ruhe genießen. Auch das Problem, dass meine EC-Card nicht ansprang haben wir mit VISA überbrückt! Noch ein bisschen Kaufhaus Pyrenees, etwas Internet - Gute (letzte) Nacht in Andorra.

Freitag den 5.Mai 2006 - Ich habe meine Rechnung bezahlt, ein Taxi bestellen lassen und ab zum Busbahnhof - Abfahrt 8.15 Uhr. Eine Winzigkeit bleibt mir im Gedächtnis - während der Taxifahrt gab die Sprecherin in der Taxi-Funkzentrale weitere Aufträge nicht in geschäftsmäßigem Stil durch, sondern in einem eigenartigen Singsang, der mir unvergesslich bleiben wird!

Auf der Rückfahrt hat uns niemand aufgehalten. Es ging flott voran und 11.10 Uhr waren wir am Bahnhof Sants. Ende des Abenteuers Andorra!

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Nachtrag - 14 Tag später in Leipzig:

Obwohl ich eigentlich nach 3-maliger Wiederholung nicht noch mal Spanien bereisen wollte, gehen mir erst Gedanken durch den Kopf: Und wie wäre es - direkt vom Airport abends nach Andorra? Um 17.00 Uhr landet der Flieger in Barcelona und danach fahren am Abend mindestens noch 2 Busse direkt nach Andorra - 5-6 Tage im Pyrenees, einige Fahrten mit Inlandbussen durch die Täler und vor allem Museum Josep Viladomat in Escaldes-Engordany. Und zwar hauptsächlich und vor allem wegen dieser Skulptur, die ich im Original einfach verpasst habe! Für mich ist es obendrein die Verkörperung des "Ersten Paares von Andorra" aus der Legende! Zum Abschluss entweder direkt zurück nach Leipzig oder erst noch 2-3 Tage BCN!?

La Danca - bild321.jpg
La Danca Skulptur am Casa de la Vall

Schlussfolgerungen

Und jetzt nach der Rückkehr von einem 3-Tage-Besuch in Andorra fehlen mir erst recht die Worte. Es ist einfach unwirklich!

Da leben 60-70000 Menschen, davon je nach Belieben und Quelle - mit der Statistik hält man es nicht so genau - 6000 Familien entsprechend 12000 oder 20000 oder? - jedenfalls maximal ein Drittel "reine "Ur-Andorrans" ohne die geringsten Anzeichen von Fremdenfeindlichkeit -außer "richtig reingucken lassen sie niemand" - sagt mein Internet-Bekannter. Die letzten 700 Jahre haben die reinen Ureinwohner bis in die 50er Jahre hinein miteinander und ihren Landesnachbarn friedlich von Tabakanbau und ein bisschen Viehzucht gelebt. Und auf einmal haben sie das große Geschäft mit billigen, weil steuerfreien Waren entdeckt, offenbar auch das Geschäft mit Geld schlechthin und noch ein paar andere Geschäfte aus denen offenbar viel, viel Geld kommt.

Was sofort auffällt. Das Wort "Gemeinsinn" oder "Gemeinwohl" hat hier noch einen Sinn und eine Bedeutung! Jede Menge Schulen, jede Menge Sportstätten - obwohl weniger als wenig Platz ist. Vor allem im deutschen Osten war der Begriff "Kunst am Bau" viel im Gebrauch - wahrscheinlich in Andorra erfunden! Kein öffentliches Bauwerk, kein Kreisverkehr ohne Kunstwerk - Skulpturen aus Edelstahl - da bleibt man einfach stehen. Eine Figurengruppe Jugend - Junge und Mädchen im Tanz, es hat wohl nicht mal einen Namen, ich nenne es "Lebensfreude".

Sie sind offenbar so versessen darauf, dass sie manchmal zuerst das Kunstwerk bauen, erzählte man mir, auch wenn es die ganze Bauphase behindert! Und nicht nur das - öffentliche Bibliotheken, Veranstaltungshallen, (kleine) Parks, Kinderspielplätze und ähnliches.

Es wird ständig gebaut - für private und öffentliche Nutzung. Und dann weiden mitten in dieser dichtesten aller Bebauungen, die ich kenne, auf einer Wiese von der Größe eines Fußballfeldes 1-2 Dutzend Kühe!

Ob sie nun das, was ich als "Gemeinwohl" sehe, aus einem staatlichen Topf finanzieren, in den jeder - so wird behauptet - wenig einzahlt oder ob tatsächlich einfach vieles aus Privathand finanziert wird, ohne Aufhebens davon zu machen, ich weiß es nicht. Beides soll funktionieren. Irgendwie gelten hier die Wolfsgesetze des Kapitalismus nicht allgemein und immer. Sicher haben die Andorrans gelernt, mit billigen Waren zu handeln und Geld zu machen, sicher betreiben sie auch Geldhandel, auch mit Schwarzgeld, Ausländer dürfen auch Geschäfte betreiben, aber es darf ihnen nur zu einem Drittel gehören und ein Treuhänder verdient daran, das er seinen Namen hergibt für 2/3.

Ich denke mal, das ist gar kein reales Land, das ist das lebendige Märchen mit über 50 Gipfeln über 2500 m Höhe. Vielleicht lebt auch in einem der Täler ein guter Drache, der davon lebt, dass alle reichen Andorrans gut zu denen sind, die nicht so reich sind. Oder es ist tatsächlich das Land hinter den sieben Bergen und hier leben die sieben Zwerge, die all den Reichtum nur solange fördern, wie alle damit pfleglich und sozial umgehen. Es gibt auch Arbeit für alle, jedenfalls für die die arbeiten wollen. Irgendetwas, was nur im Entferntesten nach "Sozialfall" aussieht, ist mir nicht vor Augen gekommen. Man erzählte mir, ausgerechnet in einer "guten Wohnlage" wurden jede Menge Sozialwohnungen gebaut, direkt neben "reichen Häusern".

Und sie halten sich mit großem Geschick aus der EU raus. Einer der "Caps" (Regierungschef) hat mal gesagt, um die Verordnungen der EU nur in je 1 Exemplar unterzubringen, müsse er ein neues Gebäude bauen lassen und jeden Einwohner Andorras verpflichten eine oder 2 VO zu lesen, um erst mal alle VO vor Augen gehabt zu haben. Wahrscheinlich geht das auch alles nur solange so gut, solange alles ohne große Aufmerksamkeit der europäischen Allgemeinheit vor sich geht. Ich hoffe noch sehr, sehr lange!

Peter Held

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(c) Peter Held, Leipzig - eMail: hilbersdorf(at)gmx.de (bei Kontaktaufnahme das (at) gegen @ ersetzen)

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